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Hohe Rendite, lange Durststrecke: Halb Bitcoin, halb Gold im Aktienvergleich

21Nexus

04.11.2026 · 05:53 Uhr

Eine feste Mischung aus je 50 Prozent Bitcoin und Gold erzielte seit Ende 2017 in Euro 28,6 Prozent Rendite pro Jahr, ein weltweit gestreutes Aktieninvestment (MSCI World) 12,7 Prozent. Die Mischung brauchte jedoch 756 Tage, um ihren vorherigen Höchststand wiederzuerreichen, der MSCI World 323 Tage.

Dieser Beitrag geht der Frage nach, was hinter diesem Gegensatz steht, ob ein Geldmarktpolster ihn auflöst und was von den Effekten bei kleinen Beimischungen zu einem Aktienportfolio bleibt. Es handelt sich um eine historische Gegenüberstellung ohne Empfehlung. Eine Aussage zur Eignung als Aktienersatz in einem konkreten Mandat ist damit nicht verbunden.

Der Testaufbau

Verglichen werden vier Portfolios in Euro auf Basis von Tagesschlusskursen vom 29.12.2017 bis 30.09.2026. Die Gewichte werden einmal jährlich auf die Zielwerte zurückgesetzt. Kosten, Steuern und Produktgebühren für Bitcoin und Gold bleiben unberücksichtigt. Der Vergleich beginnt Ende 2017; die seit 05/2017 verfügbaren Monate der Bitcoin-Euro-Kurse bleiben unberücksichtigt. Weitere Startdaten folgen am Ende des Beitrags.

Hohe Rendite, tiefer Verlust, lange Erholung

Der Vergleich beginnt mit der Verlustseite. Der größte Rückgang (Maximum Drawdown) misst den größten prozentualen Abstand von einem zuvor erreichten Höchststand bis zu einem späteren Tiefpunkt. Die Erholungsdauer ist die Zeit in Kalendertagen vom Höchststand vor diesem Rückgang bis zu dessen erstmaliger Wiedererreichung.

Der größte Rückgang des MSCI World lag im Corona-Einbruch (19.02.2020 bis 23.03.2020). Bei der Bitcoin-Gold-Mischung dauerte der Rückgang von 08.11.2021 bis 19.12.2022, bei der Mischung mit Geldmarkt von 26.06.2019 bis 16.03.2020.

Die jährlichen Umschichtungen beeinflussten das Ergebnis wesentlich (Tabelle). Mit Rebalancing lag die Rendite der Bitcoin-Gold-Mischung über der von Bitcoin (22,1 Prozent) und Gold (14,9 Prozent) allein. Die geringe Korrelation der Tagesrenditen von Bitcoin und Gold (0,10) allein erklärt diesen Renditevorsprung nicht; Renditepfade, Schwankungsunterschiede und die Umschichtungen selbst spielen eine Rolle. Eine Zerlegung war nicht Gegenstand der Untersuchung.

Wer trägt das Risiko?

Ein Kapitalanteil von 50 Prozent bedeutet nicht 50 Prozent des Risikos. Gemessen als Beitrag zur Portfoliovolatilität entfielen auf Bitcoin in der Mischung mit Gold rund 93 Prozent des gemessenen Schwankungsrisikos, in der Mischung mit 50 Prozent Geldmarkt bei einem Kapitalanteil von nur 25 Prozent rund 94 Prozent. Eine Kontrolle mit Wochenrenditen, die den Zeitversatz zwischen den Handelsschlüssen verringert, ergibt jeweils rund 94 Prozent. Gold trug den Rest, der Geldmarkt praktisch nichts. Das Risikomaß erfasst nur die Schwankung, nicht alle Risiken.

Mit 19,6 Prozent Volatilität pro Jahr schwankte die Mischung mit Geldmarkt, Gold und Bitcoin deutlich weniger als die Mischung aus Bitcoin und Gold (34,9 Prozent), aber stärker als der MSCI World (15,7 Prozent). Sie ist damit kein risikogleiches Gegenstück zum Aktienindex, sondern ein anderes Risiko mit geringerem Gewicht auf Bitcoin. Die Tagesrenditen von Bitcoin korrelierten mit Gold zu 0,10 und mit dem MSCI World zu 0,19.

Die Gegenprobe: eine einfachere defensive Aktienanlage

Die Gegenprobe zeigt, ob die Mischung aus Geldmarkt, Gold und Bitcoin gegenüber einer einfachen defensiveren Aktienanlage einen zusätzlichen Nutzen bot. Das Geldmarktpolster senkte den größten Rückgang gegenüber der Bitcoin-Gold-Mischung von 42,9 Prozent auf 26,7 Prozent und die Erholungsdauer von 756 auf 497 Tage; die Rendite sank auf 17,2 Prozent pro Jahr. Als Vergleich dient eine Mischung aus 50 Prozent Geldmarkt und 50 Prozent MSCI World. Sie erzielte 7,1 Prozent pro Jahr bei einem größten Rückgang von 17,5 Prozent, einer Volatilität von 7,8 Prozent und einer Erholungsdauer von 324 Tagen. Ihr größter Rückgang war damit kleiner als bei den beiden untersuchten alternativen Portfolios mit Bitcoin, die Rendite aber deutlich niedriger.

Aufschlussreicher ist der Blick auf die vier Phasen, in denen der MSCI World mehr als 10 Prozent unter seinem bisherigen Höchststand lag. Gemessen wird der Verlust vom Aktienhoch bis zum Aktientief, hier für die seit Ende 2017 durchgehend geführten Portfolios.

Die Mischung aus Geldmarkt, Gold und Bitcoin verlor in allen vier Phasen weniger als der MSCI World und in 3 von vier Phasen weniger als die Mischung aus Geldmarkt und MSCI World; schlechter war sie in der Phase 01/2022 bis 06/2022. Setzt man die Portfolios stattdessen am jeweiligen Aktienhoch neu mit Zielgewichten auf (Ereignistest), war sie gegenüber der einfachen Geldmarkt-Aktien-Mischung nur in 2 von vier Phasen besser. Die Bitcoin-Gold-Mischung verlor durchgehend in 3 von vier Phasen weniger als der MSCI World, im Ereignistest in 2.

Über den Gesamtzeitraum zeigt sich der andere Teil des Bildes. Die Dreier-Mischung hatte gegenüber der Geldmarkt-Aktien-Mischung einen tieferen eigenen größten Rückgang (26,7 Prozent gegenüber 17,5 Prozent), eine höhere Volatilität (19,6 Prozent gegenüber 7,8 Prozent) und eine längere Erholung (497 gegenüber 324 Tagen); dafür erzielte sie eine höhere Rendite (17,2 gegenüber 7,1 Prozent pro Jahr). Weniger Verlust während einer Aktienkrise bedeutet damit noch kein geringeres Portfoliorisiko.

Rendite und Einstiegszeitpunkt

Weil Anleger zu unterschiedlichen Zeitpunkten einsteigen, wurde für jedes Monatsende ein Einstieg mit Zielgewichten simuliert und die Entwicklung über die folgenden 12, 24 und 36 Monate betrachtet.

Bei 36 Monaten Haltedauer lag die Bitcoin-Gold-Mischung in allen 70 Einstiegen bei der Rendite vorn, hatte aber nur in 17 Prozent der Einstiege den kleineren größten Rückgang. Die Mischung aus Geldmarkt und MSCI World hatte in allen Einstiegen den kleineren Rückgang, aber in keinem die höhere Rendite.

Gold oder Bitcoin? Kleine Beimischungen

Für Vermögensverwalter ist die praktische Frage meist keine vollständige Alternative zu Aktien, sondern eine Beimischung. Dazu wurden 10 Prozent des MSCI World durch Gold, durch Bitcoin oder je zur Hälfte durch beide ersetzt. So lässt sich erkennen, ob ein Effekt von Bitcoin, von Gold oder von der Kombination kommt.

In den untersuchten Aktienportfolios erhöhte die Bitcoin-Beimischung vor allem die Rendite, während die Goldbeimischung die Verlustkennzahlen deutlicher verbesserte: Gold verringerte den maximalen Rückgang und die Volatilität und verkleinerte den Rückgang in allen Einstiegen der ausgewiesenen Zeiträume, Bitcoin hob die Rendite bei unverändertem größten Rückgang. Die Kombination lag bei Rendite und Rückgang zwischen den beiden Einzelvarianten. Ob darüber hinaus ein eigener Kombinationseffekt besteht, lässt sich mit diesem Vergleich nicht beurteilen. Bei der Erholung des jeweils größten Rückgangs lagen die Beimischungen mit Bitcoin (265 und 264 Tage) unter dem MSCI World (323 Tage), die Goldbeimischung mit 322 Tagen auf ähnlichem Niveau.

Was das für die Portfolioentscheidung bedeutet

Erstens: Schutz während einer Aktienkrise und das eigene Verlustrisiko eines Portfolios sind zwei verschiedene Eigenschaften. Eine Mischung kann in Aktienkrisen vergleichsweise gut abschneiden und dennoch tiefere eigene Rückgänge und längere Erholungen haben. Beides gehört in die Beurteilung.

Zweitens: Bei kleinen Beimischungen zu einem Aktienportfolio verbesserte Gold vor allem die Verlustkennzahlen, Bitcoin vor allem die Rendite. Bei Bitcoin ist der Beitrag zum gemessenen Schwankungsrisiko zusätzlich zum Kapitalgewicht aufschlussreich, auch mit Blick auf das Risikobudget eines Mandats. Einen geeigneten Grenzwert liefert die Untersuchung nicht.

Drittens: Für die Verlusttragfähigkeit zählt neben der Höhe des Verlusts die Dauer bis zur Erholung. Die beiden Hauptportfolios mit Bitcoin brauchten 497 und 756 Tage, um den Höchststand vor ihrem größten Rückgang wiederzuerreichen, der MSCI World 323 Tage. Bei kleinen Beimischungen war dieser Unterschied nicht zu beobachten.

Wer Verlustdämpfung sucht, findet in einer einfacheren defensiven Aktienanlage den Vergleichsmaßstab. Bei der Suche nach zusätzlichen Renditechancen sind die dafür übernommenen eigenen Verlustphasen und Risikobeiträge zu beurteilen. Eine bestimmte Allokation folgt daraus nicht.

Der Vergleich beschreibt eine Phase mit außergewöhnlichem Bitcoin-Anstieg. Die Ergebnisse sind weder Obergrenzen für künftige Verluste noch Erwartungen für künftige Renditen.

Methodik und Robustheit

Das Ergebnis hängt vom Startdatum ab. Die beiden jüngeren Zeiträume wurden nach Sichtung der Ergebnisse ergänzt.

Der größte Rückgang des MSCI World stammt ab Ende 2017 aus dem Corona-Einbruch (33,6 Prozent), ab Ende 2020 aus dem Frühjahr 2025 (21,6 Prozent). Der größte Rückgang der Mischung aus Geldmarkt, Gold und Bitcoin lag ab Ende 2017 im Corona-Einbruch, ab Ende 2020 in der Bitcoin-Baisse von 11/2021 bis 12/2022. Deshalb ist die Dreier-Mischung ab 2017 beim größten Rückgang besser als der MSCI World (26,7 Prozent gegenüber 33,6 Prozent), ab 2020 aber schlechter (25,3 Prozent gegenüber 21,6 Prozent).

Quartalsweises statt jährliches Rebalancing ergibt für die Bitcoin-Gold-Mischung 29,2 Prozent Rendite pro Jahr und einen größten Rückgang von 48,3 Prozent. Volatilität und Risikobeitrag wurden einheitlich aus einfachen Tagesrenditen berechnet. Die rollierenden Zeiträume laufen jeweils von Monatsende zu Monatsende.


Datengrundlage und Grenzen: Tägliche Schlusskurse in Euro, eigene Berechnung. MSCI World: iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc), ISIN IE00B4L5Y983, Euronext Paris (Ticker SWDA), thesaurierend; Kosten des ETF sind im Kurs enthalten. Geldmarkt: Amundi EUR Overnight Return UCITS ETF (Acc), ISIN FR0010510800, Euronext Paris (Ticker CSH), thesaurierend; vier einzelne Kursausreißer (07.10.2015, 24.03.2026, 10.07.2026, 24.07.2026) wurden durch den Mittelwert der Nachbartage ersetzt, die Ergebnisse ändern sich dadurch um weniger als 0,1 Prozentpunkte. Gold: Spotpreis XAU/EUR, ohne Lager- und Produktkosten. Bitcoin: Börsenkurs BTC/EUR, Tageswert 00:00 Uhr UTC, ohne Produktkosten. Gemeinsame Handelstage von Gold und MSCI-World-ETF; an 48 dieser Tage liegt kein Kurs des Geldmarkt-ETF vor, dort wird der letzte Kurs fortgeschrieben (Rendite, größter Rückgang und Erholungsdauer des Hauptzeitraums bleiben bei Beschränkung auf tatsächlich gemeinsame Beobachtungstage unverändert, die Volatilitäten ändern sich geringfügig, bei Bitcoin/Gold von 34,9 auf 35,1 Prozent); Bitcoin-Bewegungen an Wochenenden fließen in die Rendite bis zum nächsten gemeinsamen Handelstag ein. Die Schlusszeiten der Reihen unterscheiden sich, was Korrelationen und Risikobeiträge leicht verzerren kann. Eine Handelskostenannahme von 0,2 Prozent auf umgeschichtetes Volumen veränderte die Renditen um weniger als 0,1 Prozentpunkte; Kaufkosten beim Einstieg und Produktgebühren sind nicht berücksichtigt. Die Auswertung beschreibt die Vergangenheit und enthält keine Prognose. Rechenstand 30.09.2026.

Kein Investment Advice. Nur Marktbeobachtung.

Ein Beitrag von 21Nexus. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und Einordnung. Sie stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ersetzen keine individuelle Beratung.

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